[Publikation] FC WInf: Flipped Classroom in der Wirtschaftsinformatik

Kommende Woche, genauer gesagt am 20.09.2012 werden Annett und ich unseren Beitrag „FC WInf: Flipped Classroom in der Wirtschaftsinformatik“ beim Workshop on E-Learning (#wel12) vorstellen. Es geht dabei um eine Idee, die Großlehrveranstaltung „Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“ mit über 300 Stundenten aus über 10 verschiedenen Studiengängen in ein Flipped-Classroom-Konzept zu überführen. Leider besteht die Idee noch auf dem Papier und wird wohl frühestens im nächsten Jahr umgesetzt werden können (der Antrag dazu ist in Arbeit), aber wir freuen uns auf die Diskussion des Konzepts in der Community. Schließlich hat sich das Übungskonzept seit fast 10 Jahren nicht so wesentlich verändert und das neue Konzept verspricht schon jetzt einige Herausforderungen. Und da wollen wir natürlich so wenig wie möglich Fehler machen, denn „mit Studenten spielt man nicht [unbedacht und fahrlässig]“ (frei nach R.K., Ergäzung von mir).

Da die Veröffentlichung der Beiträge vorab eher unwahrscheinlich ist (auf der derzeit stattfindenden GMW12 wurde das dieses Jahr zum ersten mal erreicht), hier der Text als PrePrint:

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Learning by doing im vierten und letzten Workshop

Nachdem wir in den vergangenen drei Workshops den Studenten die Verantwortung dafür übertragen hatten, was zu den Themen Literaturrecherche, Gliedern & Exposé, sowie Zitieren und Textverarbeitung alles gesagt werden muss, blieb der letzte Workshop zum Präsentieren „an uns hängen“. Das lag daran, dass wir schlichtweg nur sechs Studenten hatten, die wir auch jeweils in Zweiergruppen arbeiten lassen wollten und somit für den vierten Workshop keiner mehr übrig blieb. Nicht nur, weil wir die stark frontale Ausrichtung der vorhergehenden Workshops etwas schade fanden, sondern auch, weil wir in begrenzter Zeit dennoch etwas Übung in die Präsentationfähigkeiten bringen wollten entschieden wir uns für eine PowerPoint-Karaoke-Session.

Und damit waren es eigentlich nicht wir, die den Workshop abhielten, sondern unsere Studenten. Denn sie mussten abwechselnd nach vor kommen und die Inhalte, auf die sie sich nicht vorbereitet hatten, präsentieren und wurden stießen dabei – durchaus geplant – in einige der wichtigsten Fallstricke beim wissenschaftlichen Präsentieren. Die Folien hierzu haben wir aufbereitet und auf SlideShare unter einer CreativeCommons-Lizenz zur Verfügung gestellt:

(Update: die Direkteinbindung und -links habe ich mal gekappt, ist sonst zu verlockend, wenn Studenten in diesem Semester darauf stoßen. Liebe Studenten: Bitte nicht kucken, Ihr lernt sonst nur halb so viel im Workshop!)

Während des Workshops kam es immer wieder zu kleineren Diskussionen und Erfahrungsaustauschen darüber, was gute Kniffe und Hilfsmittel sind und was man selbst gut findet und was nicht. Die nicht vorhandenen Goldenen Regeln machen zwar den Weg frei für Kreativität, sorgen aber teilweise auch für Unsicherheiten bei den Studenten.Wir haben daher vor allem Versucht, Möglichkeiten aufzuzeigen und beispielsweise bei der unbeliebten Agenda-Folie Vor- und Nachteile darzustellen. Trotz meiner Begeisterung für Prezi haben wir uns auf seitenbasierte Präsentationstechniken beschränkt. Prezi wäre ein Thema für sich und ist meiner Meinung nach auch nur erfahrenen Vortragenenden (und Vortragshöhrern) zu empfehlen.

Nach ersten Unsicherheiten machte es den Studenten nach eigener Aussage sogar Spaß (Juhu!) und gerade der Übungsfaktor hat ihnen wohl gefallen. Die Kritiken, u. a. auch von Christian, der uns für das HDS-Grundlagenmodul hospitiert hatte, waren durchaus berechtigt (beispielsweise was das schrittweise Einblenden der Zeilen auf einer Seite eher ungeeignet, die Studenten meinten, sie wären mit der kompletten Folie nicht, wie ich vermutet hatte, überordert) und haben wir in dem Foliensatz auch angepasst.

Und gewirkt hat es scheinbar auch: die Probevorträge liefen wesentlich besser als in den Vorsemestern, da hier keine grundlegenden Schnitzer mehr passierten und wir nur noch auf hohem Niveau kritisieren konnte. Generell empfanden wir die diesjährigen Leistungen der Studenten in der Breite besser als in den Vorsemestern. Natürlich können wir auch Glück gehabt haben, aber wir nehmen es als Zeichen, die studentischen Workshops im nächsten Semester wieder zu veranstalten.

Dritter Workshop „Zitieren und Textverarbeitung“

Der nun letzte Workshop, den die Studenten vorbereitet hatten, beschäftigte sich mit den leidigen Themenbereichen Zitieren und Textverarbeitung. Aus unseren Erfahrungen der vorhergehenden Seminaren scheinen die Studenten hierüber zwar gut informiert, bei der Korrektur von studentischen Arbeiten finden wir hier aber immer wieder größere und grundlegende Probleme. Mit dem Word-Template, das seit kurzem durch unsere Lehrstühle zur Verfügung gestellt wird (für LaTeX stellt die TU Chemnitz schon eine Weile ein Template bereit), werden viele generelle Formatierungsfragen bereits gelöst. Dennoch gibt es klassische Stolperfallen, bei denen wir es wichtig fanden, dass sie noch einmal in einem Workshop zusammengetragen werden.

„Citation needed“ by futureatlas.com (CC-BY)

Der Workshop wurde von den beiden Studenten im Frontalvortrag gehalten, die Erläuterungen waren anschaulich und nachvollziehbar. Die Kommunikation mit den anderen Teilnehmern fand dagegen nur selten statt, was es uns und letztendlich auch den Workshop-Leitern natürlich die Einschätzung etwas erschwert, wie die anderen Teilenehmer dem Workshop folgen können und ob es noch grundlegende Fragen gibt.

Word vs. LaTeX

Die beiden Workshop-Leiter sind Studenten der Wirtschaftsmathematik, weshalb wir sie geradezu davon abhalten mussten, sich in ihrem Vortrag nur auf dieses Tool zur Textverarbeitung zu beziehen. Zwar hatten sowohl Annett und ich unsere Abschlussarbeiten mit LaTeX geschrieben, genau deshalb war uns aber auch bewusst, dass der Einstieg hier sehr schwer ist (und jeder LaTeX-Nutzer kann das wahrscheinlich bestätigen). der Großteil unserer Studenten arbeitet mit Word und ich glaube, hieran wird sich ohne bequemen WYSIWYG-Editor auch nichts ändern (und der wird vermutlich nie kommen, da wir TeXies die Code-Friemelei so lieben 😉 aber LyX ist doch schon ganz nett).

Die ursprüngliche Ausrichtung auf LaTeX brachte nicht nur mit Beamer erstellten Folien mit sich, sondern auch, dass im Workshop auch auf typische „LaTeX-Fragen“ eingegangen und auf Word übertragen wurden: Unterschiede zwischen Zeilen-, Absatz- und Seitenumbrüchen, Umgebungen für Bilder und Tabellen, Arten zur Seitennummerierung und so weiter. Das sind üblicherweise keine Fragen, die sich der Word-Nutzer stellt, LaTeX-Anwender aber gleich von Anfang an bemerken. Dass diese andere Perspektive diese Inhalte mit sich bringt, hätte ich selbst nicht so gedacht. Eine kleine LaTeX-Einführung gab es dann trotzdem, was die anderen Studierenden (zumindest nach dem 5-Finger-Feddback, was immer besser funktioniert) auch als positiv angemerkt hatten, da die meisten LaTeX vorher nicht kannten. in der kurzen Zeit gab es natürlich keine Möglichkeit, tief in LaTeX einzusteigen, aber das war an dieser Stelle auch nicht nötig.

Dann sind wir wohl bald dran…

Damit war der letzte Workshop der Studenten um. Etwas später im Semester werden Annett und ich noch einen Workshop zum Präsentieren veranstalten. Nach den ganzen Reflexionen hier im Blog haben wir uns die Latte natürlich selbst etwas hoch gehängt. Dazu kommt noch, dass wir zu diesem Termin sehr wahrscheinlich von weiteren Teilnehmern des HDS-Kurses hospitiert werden. Aber wir haben da schon eine Idee…

LdL mit seminarbegleitenden Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten

Heute war Kick-Off zu unserem Seminar Wirtschaftsinformatik zu den Themen E-Business und Geschäftsprozessmodellierung. Nach einigen, nicht selten nur wenig erfolgreichen Versuchen, die Qualität der abgegebenen Arbeiten zu erhöhen (freiwillige Vorabgaben, Peer-Review, Link-Listen zu Tutorials, selbstbestimmte Meilensteinplanung etc.), starten wir in diesem Semester einen Versuch mit kleinen Worksshops begleitend zum Seminar.

Die generellen Problempunkte beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit haben wir hierfür in vier Workshop-Themen zusammengefasst:

  1. Literaturrecherche
  2. Gliederung und Exposé
  3. Zitieren und Textverarbeitung
  4. Vortragen

Bei sechs Teilnehmern haben wir die ersten drei Themen auf je ein Zweier-Team verteilen können. Zum letzten denken wir uns dann was aus. Die Workshops können von den Studenten völlig frei ausgestaltet werden: Frontal-/Impulsvorträge, Übungen, was auch immer. Wir haben einen Zeitrahmen von jeweils etwa 15 Minuten genannt, aber auch hier betont, dass wir weder auf die Uhr kucken, noch längere Workshops verbieten wollen, sondern nur etwa den zu erwartenden Arbeitsaufwand abstecken wollen. Erwartungsgemäß löste genau das die größte Verwirrung aus: aber wenn was fehlt, das wissen wir doch alles selbst noch nicht… Wir haben versucht, den Studenten diese Bedenken zu nehmen, Konsultationen angeboten und auch eine Erlaubnis zu Fehlern ausgesprochen. Zudem gab es den Hinweis auf die Wikiversity-Seite, auf der ich Hauptpunkte zu verschiedenen Schwerpunktthemen zusammengetragen habe.

Der erste Workshop soll schon nächste Woche stattfinden. Ich bin gespannt, was die Studenten draus machen (hoffentlich gibt es auch mutige, die sich von der erprobten Power-Point-Frontalunterrichtsvariante lösen), ob und wie wir an manchen Stellen eingreifen müssen und wie die Resonanz zu diesem Vorgehen sein wird. Wir werden berichten…

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